Entlüftung – weil reine Luft wichtig ist

Entlüftung – weil reine Luft wichtig istWas ist, direkt nach dem Motor, die wichtigste Einrichtung eines Fahrzeuges? Genau, die Bremsanlage. Doch damit diese optimal funktioniert, sind verschiedene Voraussetzungen zu erfüllen. Unter anderem ist es wichtig, dass sämtliche Luft aus dem Kreislauf der Bremsflüssigkeit entfernt wird. Dies geschieht über die so genannte Entlüftung. Und genau die schauen wir uns jetzt einmal genauer an.

Allgemeines zur Bremsanlage des Autos

Wer kein Automechaniker ist, weiß nicht zwangsläufig, wie die Bremsanlage aufgebaut ist. Vielleicht wissen die meisten gerade noch, dass sie die Bremsen unbedingt in der jährlichen Autoinspektion überprüfen lassen sollen. Wer ganz pedantisch ist, wird diese einmal zum Frühjahr und einmal vor dem Herbst- / Wintereinbruch durchführen lassen. Diese Personen wissen meistens auch, dass die Bremsflüssigkeit alle 1 ½ bis 2 Jahre vollständig gewechselt werden sollte, um optimal zu funktionieren. Dies ist vollkommen unabhängig von der Kilometerlaufzahl. Dies liegt daran, dass die Bremsflüssigkeit immer Feuchtigkeit anzieht und diese auch aufnimmt. Das bedeutet, kurz gesagt, dass sie im Laufe ihrer Verweilzeit im Bremssystem die Bremsflüssigkeit immer weiter verwässert. Die Bremsflüssigkeit ist jedoch darauf ausgelegt, dass sie gerade in Extremsituationen besonders hitzebeständig ist. Wird sie heiß, überträgt sich diese Hitze auch auf die Bremskolben. Ist die Bremsflüssigkeit nun aufgrund ihrer längeren Verweildauer im Bremssystem mit mehr Wasser versetzt, als sie es sein sollte, kann es in Extremsituationen dazu kommen, dass das Wasser viel früher erhitzt wird als die eigentliche Bremsflüssigkeit und sich durch diesen Vorgang Blasen bilden. Befinden sich diese nun in der Bremsflüssigkeit, verlängern sich die Bremswege, da sich die Bremswirkung mit jeder Bewegung der Bremse weiter abmildert. Zunächst bekommt der Fahrer ein leicht schwammiges Gefühl unter seinem Bremsfuß, bis er letztlich die Bremse vollständig durchtreten kann, ohne eine große Wirkung zu erzielen. Zum Vergleich: Die reine Bremsflüssigkeit kann für gewöhnlich bis 250°C problemlos die volle Wirkung erzielen. Wasser hingegen verdampft bereits bei 100°C.

Sicherheit geht immer vor

Sie sehen, es ist also nicht nur eine Sache der eigenen Sicherheit, sondern auch der Sicherheit aller anderen Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr. ABER, wer nicht gerade versiert ist in puncto Autoreparatur und Bremsanlage, der sollte das Wechseln der Bremsflüssigkeit grundsätzlich dem Fachmann, also einer seriösen Autowerkstatt, überlassen. Denn dieser weiß ganz genau, wie die Bremsflüssigkeit zu jedem Zeitpunkt entlüftet werden kann.
  • Sauberkeit: Es ist bei einem Wechsel der Bremsflüssigkeit immer wichtig, in einer sauberen Umgebung zu arbeiten. Auch sollten fusselfreie Tücher parat liegen. Der Automechaniker / Automechatroniker sollte diese Aufgabe nur mit Handschuhen ausführen. Denn Bremsflüssigkeit hat eine ätzende Wirkung. Sollte sich auch nur der kleinste Fremdkörper in der Bremsflüssigkeit befinden, kann dies fatale Auswirkungen auf die gesamte Bremsanlage haben. Dies bezieht sich insbesondere auf die Bremskolben. Somit sind alle Trennstellen sofort zu schließen, wenn Schläuche oder Deckel des Systems abgeschraubt werden.
  • Ablassen: Dies ist recht einfach, insbesondere wenn eine Hebebühne vorhanden ist. Hierzu wird das Entlüftungsventil, welches am weitesten vom Bremszylinder, der in der Nähe des Bremspedals zu finden ist, entfernt ist. Ein Helfer sollte nun das Bremspedal langsam herunterdrücken und in dieser Stellung halten. Bitte das Bremspedal nicht vollständig durchtreten. Denn dies könnte letztlich zu einer Beschädigung der Gummidichtungen führen. Dieser Vorgang ist für jedes Rad einzeln durchzuführen. Nach vollständigem Ablaufen sind sofort die Entlüftungsventile wieder zu schließen.
  • Befüllen: Diese wird in den entsprechenden Vorratsbehälter gefüllt.
  • Verteilen und entlüften: Zum Verteilen wird wieder der Helfer benötigt. Er drückt das Pedal so lange auf und nieder, bis sich ein Widerstand ergibt. In dieser Position verharrt er nun mit dem Pedal. Am Rad, das am weitesten vom Lenkrad entfernt ist, wird nun das Entlüftungsventil geöffnet. Am besten steht bereits eine säureresistente Schale bereit, da ein klein wenig Flüssigkeit bei dem Vorgang entweichen wird. Ein klarer Ablaufschlauch wird nun über das Entlüftungsventil gesteckt, um die ablaufende Flüssigkeit aufzufangen. Ist das Bremspedal fast am Bodenblech, wird das Entlüftungsventil wieder verschlossen. Der Prozess beginnt an jedem Rad erneut. Diese Prozedur ist so lange durchzuführen, bis ausschließlich Bremsflüssigkeit, aber keine Bläschen mehr aus dem Ablaufschlauch entweichen. Nun sind alle Luftbläschen aus dem Bremssystem eliminiert.


Regelmäßiges Überprüfen

Viele Autofahrer fragen sich, warum man den Stand der Bremsflüssigkeit regelmäßig überprüfen soll. Nun, im Vorratsbehälter ist eine Anzeige, die den Minimalstand anzeigt. Wird dieser unterschritten, kann es durchaus passieren, dass Luft eingesogen wird. Welchen Effekt dies für die Bremskraft des Fahrzeuges hätte, haben wir ja bereits erwähnt – eine verheerende! Auch nach dem Auffüllen sollte der Entlüftungsvorgang durchgeführt werden. An diesem Punkt kommt das professionelle Absaug- und Entlüftungsgerät ins Spiel. Denn gerade in Eigenregie kann man diese Aufgabe nur selten so gut erledigen, wie es der Fachmann auf der Hebebühne kann. Mit dem professionellen Gerät jedoch ist es auch für den Hobby-Autoschrauber möglich.

Die richtige Bremsflüssigkeit?

Nicht jedes Auto verträgt auch die gleiche Bremsflüssigkeit. Hier sollte tatsächlich der Fachmann gefragt werden, bevor man teures Geld für das falsche Produkt ausgibt. Unter anderem geht es bei den verschiedenen Qualitäten um die Viskosität, die Verträglichkeit mit Gummidichtungen, den pH-Wert, Korrosionsverhalten, das Verhalten bei tiefen, aber auch bei hohen Temperaturen, die Oxidationsstabilität, die chemische Stabilität sowie natürlich das Schmierverhalten. Verlassen Sie sich daher bei der Wahl der Bremsflüssigkeit am besten auf die Herstellerangaben. Sollten Sie den Wechsel meistens in der Werkstatt haben machen lassen, werden Sie auch dort die notwendigen Informationen erhalten. Schließlich wird dort akribisch aufgeführt, welche Ersatzteile und sonstiges Material für Ihren Wagen verwendet wurde – also auch die Bremsflüssigkeit. Ach übrigens, sollten Sie die Bremsflüssigkeit auffüllen und noch einen Rest zurückbehalten, sollte diese möglichst rasch verbraucht werden. Sie wissen ja, geöffnete Behältnisse können nie wieder so fest verschlossen werden wie neu gekaufte. Daher steht bei Bremsflüssigkeit immer der Verdacht im Raume, dass sich in der Zwischenzeit einiges an Wasser darin abgelagert haben könnte. Und bevor ein Risiko eingegangen wird, sollten die Rest lieber über die Autowerkstatt oder aber über die Gefahrenstoffannahme des örtlichen Entsorgungsunternehmens entsorgt werden. Zudem sollten Sie nicht vergessen, dass es sich um einen leicht ätzenden Stoff handelt. Somit wird auch das Behältnis nicht dauerhaft halten und im schlimmsten Fall die ätzende Flüssigkeit verlieren. Dies könnte auch zu gesundheitlichen Schäden führen. Aber das muss ja nicht sein, richtig?